{"id":118,"date":"2018-01-21T10:50:18","date_gmt":"2018-01-21T10:50:18","guid":{"rendered":"http:\/\/baobab-verein.org\/?page_id=118"},"modified":"2021-08-05T05:53:31","modified_gmt":"2021-08-05T05:53:31","slug":"kapps-farm-feed-my-lambs","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/baobab-verein.org\/?page_id=118","title":{"rendered":"Kapps Farm &#8211; Feed my Lambs"},"content":{"rendered":"<p>Den Kapps-Kindergarten haben wir 2001 gebaut. Wir haben damals festgestellt, dass in der Schwarzensiedlung in der N\u00e4he unseres Hauses sehr viele Kinder jeden Alters sind, die offensichtlich keine Schule besuchen. Wir zogen Erkundigungen ein und erfuhren, dass diese Siedlung keinen Anschluss an die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel hat, so dass die Kinder keine M\u00f6glichkeit haben, mit dem Bus in den Kindergarten oder die Schule zu kommen. Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr diese Leute ist per Anhalter zu fahren, was in Namibia bedeutet, dass die Fahrt zu bezahlen ist, in diesem Fall etwa 10 Namibia-Dollar f\u00fcr die Fahrt bis nach Windhoek. Von dort aus nach Katutura zu kommen kostet mit dem Taxi nochmals 7,50 N$. Eine Fahrt zur Schule und zur\u00fcck w\u00fcrde pro Tag 35 N$ kosten, bei f\u00fcnf Schultagen pro Woche sind das 175 N$ oder 700 N$ im Monat. So viel verdient ein Arbeiter im Monat oft nicht, und er hat ja meist nicht nur ein Kind. Au\u00dferdem werden die Kinder in Namibia nur in die Schule aufgenommen, wenn sie Englisch sprechen. Dies k\u00f6nnen in der Siedlung die wenigsten Erwachsenen, also woher sollen es die Kinder k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Wir haben deshalb einen Kindergarten nach dem Vorbild von Katutura aufgebaut, ein bis zwei Frauen sollten sich um die Kinder k\u00fcmmern. Eine davon war Angelika. Sie hat eine recht gute Schulbildung genossen und spricht gut Englisch. Angelika sollte also den Kindergarten \u00fcbernehmen, und zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes von den Eltern ein Kindergartenbeitrag einziehen. Dieses System hat in Kapps aber nie funktioniert. Setzten wir die Eltern unter Druck, damit sie ihre ausstehenden Geb\u00fchren bezahlen, schickten sie ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten. Nach einiger Zeit fanden wir den Grund f\u00fcr die Nichtzahlung heraus: In dem Dorf sind nicht die typischen Gro\u00dffamilien vertreten, sondern nur einzelne, kleine Gruppen. Normalerweise teilt der, der gerade Geld hat, es mit den anderen und ern\u00e4hrt so die ganze Sippe. Da viele in dem Dorf arbeitslos sind und sich nicht gegenseitig unterst\u00fctzen, war eine regelm\u00e4\u00dfige Bezahlung der Geb\u00fchren nicht zu erwarten. Das Dorf ist insgesamt schwierig. Viele M\u00e4nner und Frauen sind morgens schon betrunken, sie trinken selbstgebrautes &#8222;Bier&#8220; aus Maismehl und Zucker, die Kriminalit\u00e4t ist hoch, Messerstechereien an der Tagesordnung, wobei nicht nur die M\u00e4nner, sondern auch die Frauen sehr gewaltt\u00e4tig sein k\u00f6nnen. Bei vielen Einbr\u00fcchen, \u00dcberf\u00e4llen und R\u00e4ubereien in der Gegend f\u00fchren die Spuren ins Dorf und verschwinden dort.. nicht einmal die Polizei traut sich normalerweise in das Dorf. Was soll in diesem Umfeld aus den Kindern werden?<\/p>\n<p>Wir bauten, um den Kindern eine Chance zu bieten, den Kindergarten. Da die Zahlungsmoral der Eltern von Anfang an schlecht war, zahlten wir den Lohn von Angelika und sp\u00e4ter auch der Personen, die ihr kochen halfen.<\/p>\n<p>Mit diesem Kindergarten gibt es seit Jahren ein Auf und Ab, viele Sorgen, \u00c4rger, Unstimmigkeiten und Personalwechseln. In den Kindergarten wurde eingebrochen, Essen wurde gestohlen, aber insgesamt war die Entwicklung positiv. Am Ende des ersten Kindergartenjahres schulten wir Kinder von 7-12 Jahren ein. Wir konnten alle in der Internatsschule in Aris unterbringen, weil der Verein die Schulgeb\u00fchren der Kinder \u00fcbernahm, die Schule damit also sicher war, Eink\u00fcnfte zu haben. Die Eltern der Kinder waren weiterhin nicht in der Lage oder bereit, f\u00fcr die Kinder zu bezahlen. Dank der Hilfe durch Ihre Spenden konnten wir einspringen, denn was n\u00fctzt der beste Kindergarten, wenn keine Schule folgt?<\/p>\n<p>Inzwischen besuchen 51 Kinder aus dem Dorf die Aris-Schule, weitere 13 die Blouwkrans-Internatsschule. Die ersten haben die Hauptschule abgeschlossen und sind in der Stadt Rehoboth auf der Realschule. Es freut uns sehr zu sehen, dass einer davon, Kelvin, der beste Sch\u00fcler seiner Klasse ist, er hat sogar eine Belobigung bekommen. Die anderen beiden Kinder sind aber auch gute Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Zur Zeit sind 36 Kinder im Kapps-Kindergarten, bei 2\/3 davon sind die Eltern arbeitslos. F\u00fcr diese Kinder ist das Essen, welches sie im Kindergarten bekommen, oft das Einzige.<\/p>\n<p>Im April arbeiteten im Kapps-Kindergarten 3 Frauen, Rotty, die als Leiterin den schulischen Bereich unter sich hat, Sentika, die f\u00fcr die K\u00fcche und das Saubermachen zust\u00e4ndig ist, und Napolina, die sowohl Rotty als auch Sentika zur Hand gehen sollte, vor allem aber f\u00fcr Rotty einspringen sollte, wenn deren beantragte Weiterbildung zur Erzieherin endlich stattfinden kann. Napolina entwickelte allerdings, vielleicht auch durch das regelm\u00e4\u00dfige Gehalt, ein Alkoholproblem, wir mussten ihr Ende Juli k\u00fcndigen. Rotty und Sentika arbeiten aber gut zusammen und wir sind zufrieden mit ihrer Arbeit. F\u00fcr die Frauen ist ein regelm\u00e4\u00dfiges Gehalt noch etwas Neues, sie wollen sich oft sofort &#8222;alles&#8220; davon kaufen. Wir versuchen auch hier zu unterst\u00fctzen und sie von zu gro\u00dfen Anschaffungen, die sie finanziell \u00fcberfordern w\u00fcrden, abzuhalten.<\/p>\n<p>Da die Zeit vergeht und wir die Kinder von gleichauf kennen erleben wir vieles. Aus den Kindern werden Teenager, was eigene Probleme mit sich bringt. So haben wir lange \u00fcberlegt, wie wir Schwangerschaften der jungen M\u00e4dchen verhindern k\u00f6nnen. Aufgekl\u00e4rt sind laut Rotty alle. Die Pille f\u00fcr alle zu zahlen w\u00e4re zu teuer. Eine Diskussion mit den erwachsenen Frauen war schwierig, eine sagte aber, dass eine 3-Monats-Spritze kostenlos w\u00e4re, und erkl\u00e4rte sich bereit, mit den M\u00e4dchen zu sprechen und mit ihnen zum Arzt zu gehen. Was w\u00fcrde es nutzen, die M\u00e4dchen auszubilden, wenn sie mit 14 schwanger werden?<\/p>\n<p>Wir sind sehr nah an der Bev\u00f6lkerung des Dorfs, und durch die lange Zeit dort k\u00f6nnen wir uns selbstverst\u00e4ndlich dort bewegen. Wir kennen die meisten Erwachsenen und alle Kinder. Das hat nicht immer verhindert, dass auch unser Haus angegriffen wurde, aber inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Dazuhin haben wir &#8211; nicht \u00fcber den Verein, sondern \u00fcber Bekannte in einem deutschen Fu\u00dfballverein &#8211; den &#8222;Fu\u00dfballverein&#8220; des Dorfes gesponsort, mit gebrauchten Trikots und Hosen. Nur am letzten Freitag des Monats gehen wir nicht ins Dorf, das ist traditionell der Zahltag, der Lohn wird noch bar ausbezahlt, viele M\u00e4nner und Frauen sind dann nicht mehr berechenbar. \u00dcbrigens: Auch Frauen wie Rotty und Sentika gehen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Dorf, sie schlie\u00dfen sich ein. Bald soll es eine Polizeistation in Kapps geben, wir hoffen, dass sich die Lage dann weiter beruhigt.<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass die Kinder einen anderen Weg einschlagen als ihre Eltern, dank der Bildung, die Ihre Spenden erm\u00f6glichen. Die wei\u00dfen Namibier in der Gegend waren zum Teil gegen unsere Arbeit und haben uns bel\u00e4chelt, &#8222;La\u00df die Schwarzen wie sie sind, je d\u00fcmmer, desto besser&#8220;, das mu\u00dften wir uns \u00f6fter anh\u00f6ren. Aber das hat aufgeh\u00f6rt. Inzwischen sieht man auch dort, dass die Verwahrlosung der Kinder aufgeh\u00f6rt hat, da\u00df sie eine Grunddisziplin gelernt haben, schon indem sie jeden Tag in den Kindergarten gehen. 64 Schulkinder und 36 Kindergartenkinder sind weg von der Strasse, wir finden, das ist ein Erfolg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-11\" src=\"http:\/\/baobab-verein.org\/wp-content\/uploads\/feedmylambs.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/baobab-verein.org\/wp-content\/uploads\/feedmylambs.jpg 640w, http:\/\/baobab-verein.org\/wp-content\/uploads\/feedmylambs-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13\" src=\"http:\/\/baobab-verein.org\/wp-content\/uploads\/feedmylambs0601.jpg\" alt=\"\" width=\"819\" height=\"614\" srcset=\"http:\/\/baobab-verein.org\/wp-content\/uploads\/feedmylambs0601.jpg 819w, 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